Verschmutztes Trinkwasser, fehlende Sanitäreinrichtungen und eingeschleppte Krankheiten – die Zustände im ungarischen Flüchtlingslager Röszke an der Grenze zu Serbien sind menschenunwürdig. Doch dem nicht genug: Nun droht auch noch akute Seuchengefahr. Ärzte warnen vor der Ausbreitung lebensbedrohlicher Epidemien wie Hepatitis und Pest.

Schwangere, Kinder, Kranke und ältere Menschen am stärksten gefährdet

„Es gibt kein fließendes Wasser, keine hygienischen Waschmöglichkeiten und die mehreren Tausend Neuankömmlinge jeden Tag könnten sämtliche Krankheiten einschleppen“, so Teresa Cristobal, Vorsitzende des ungarischen Teams von Ärzte ohne Grenzen. Besonders hart trifft es schwangere Frauen, denen der tagelange Fußmarsch stark zusetzt und nicht nur die eigene, sondern auch die Gesundheit ihres ungeborenen Kindes aufs Spiel setzt. „Alles, was wir ihnen gegen die Krämpfe geben können, sind lediglich kleine Schnäpse und eine geringe Menge an Magnesium“, sagt Sarah Schrober, Medizinstudentin und freiwillige Helferin aus Österreich. Aber auch Kinder, chronisch Kranke und ältere Menschen hätten beim Ausbruch einer Epidemie nur geringe Überlebenschancen.

Großer Mangel an Sanitäranlagen

Das größte Problem im ungarischen Flüchtlingslager sind die fehlenden Sanitäranlagen. Es mangelt an funktionierenden Toiletten, sodass die Menschen ihre Notdurft nahezu überall verrichten. „Und bei diesen warmen Temperaturen führt dies über kurz oder lang zu erhöhter Seuchengefahr“, warnt Sarah Schrober. Neben Toiletten fehlt es aber auch an fließendem Wasser. Die Menschen haben keinerlei Möglichkeiten, sich nach dem Toilettengang die Hände zu waschen, um Bakterien abzutöten. Die Folge: Gefährliche Keime verbreiten sich im gesamten Camp und begünstigen den Ausbruch von Epidemien.

Je größer der Ansturm, desto knapper die Nahrung

Trotz großzügiger Lebensmittelspenden droht nun auch noch Nahrungsknappheit. „Der enorme Ansturm an Flüchtlingen deckt sich einfach nicht mit unseren vergleichsweise geringen Lebensmittelvorräten“, erklärt Schrober. So wissen sich einige Helfer vor Ort nicht mehr anders zu helfen, als Brotkürmmel in die Menschenmenge zu werfen. „Es ähnelt einer Tierfütterung, unmenschlich ist so was!“, sagt Sarah Schrober.

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