100 Millionen Euro. Dies ist der Betrag, welcher der Teilchenbeschleuniger in Marburg gekostet hat. Die Teilchenkanone soll Tumore präzise zerstören und somit Krebspatienten effektiv behandeln können. Obwohl das medizinische Gerät schon seit Jahren existiert, wurde es erst jetzt in Betrieb genommen.

Teilchenkanone endlich in Betrieb

Obwohl sich viele Tumore chirurgisch entfernen oder mit einer Strahlentherapie behandeln lassen, können Geschwulste entstehen. Diese lassen sich nicht entfernen, da bei einer Operation ein zu großes Risiko besteht. Seit 1997 bereits wird an einer Methode gearbeitet, die Tumore mit schnellen Partikeln zu bestrahlen. Die Tumore werden dabei schnell, schonend und dauerhaft zerstört.

Die bisher einzige Anlage Deutschlands, die diesen Effekt erzielen kann, befindet sich im Universitätsklinikum Heidelberg in Marburg. Internationalen Klinischen Studien zufolge können jährlich 20.000 Patienten erfolgreich mit der Strahlentherapie geheilt werden. Wie viele Patienten dort nun behandelt werden, kann noch nicht gesagt werden. Die Millionen teure Teilchenkanone im deutschen Marburg stand seit Jahren still. Der Hauptgrund dafür lag im Geld. Doch nun wurde endlich der erste Patient mit der medizinischen Neuheit behandelt.

Verzug in der Benutzung

Obwohl die Anlage seit Jahren existiert und über 100 Millionen kostete, wurde sie nie aktiv benutzt. Komplett still stand sie allerdings nie, da sie immerhin noch für Forschungszwecke in Betrieb war. Es tauchten zudem Gerüchte auf, wonach Teile der Anlage nicht mehr in Deutschland seien, sondern nach Schanghai transportiert wurden, um in eine dort bestehende Anlage eingebaut zu werden. Mit 22. September 2014 wurden schließlich Verträge unterzeichnet, welche den Betrieb der Teilchenkanone in Marburg durch das Universitätsklinikum Heidelberg bestimmten.

Am 27. Oktober 2015 konnte nun der erste Patient in Marburg behandelt werden. Mit 11. November selben Jahres wird die Anlage feierlich eröffnet. Für die deutsche Medizin ist die Inbetriebnahme der Teilchenkanone ein wichtiger Schritt. Das Zentrum führt die Therapie mit Kohlenstoffionen durch. Weltweit existieren nur sehr wenige Zentren, die diesen hohen technischen Aufwand betreiben. Hermann Requardt, Vorstand der Siemens AG und CEO von Siemens Healthcare, äußerte sich positiv über die Anlage: „Mit dieser Technologie made in Germany unterstreichen wir unseren weltweiten Anspruch auf Innovationsführerschaft in der Medizintechnik.“

Marburg bleibt deutsches Zentrum

Die medizinische Anwendung mit Partikel, vornehmlich Kohlenstoffatome, besteht schon seit Ende der neunziger Jahre. Bis 2008 wurden rund 400 Patienten mit Kohlenstoffionen behandelt. Das Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum, kurz HIT, ist heute das führende deutsche Zentrum. Bereits über 2500 Patienten wurden im Zentrum therapiert, Anzahl steigend. 2007 wurden in Marburg und in Kiel mit dem Bau von zwei Partikeltherapienanlagen gestartet. Inzwischen existiert die Anlage in Kiel nicht mehr, sodass Marburg zum großen Zentrum wurde.

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